Kurz gesagt
Hat ein Haus ein zweischaliges Mauerwerk mit durchgehender Luftschicht und eine intakte Klinkerfassade, ist die Kerndämmung meist die einfachere und günstigere Lösung: Die Luftschicht wird durch Bohrungen in den Fugen verfüllt, die Fassade bleibt erhalten. Bei einschaligen Wänden, Putzfassaden oder fehlender Luftschicht ist ein Wärmedämm-Verbundsystem (WDVS) die übliche Wahl.
Erst den Wandaufbau kennen
Welche Dämmung möglich ist, hängt davon ab, wie Ihre Außenwand aufgebaut ist. In Nordfriesland sind viele Häuser zweischalig gemauert: außen eine Klinkerschale, dahinter eine Luftschicht, innen die tragende Wand. Hinweise darauf sind:
- eine sehr dicke Außenwand, die Sie an Fenster- oder Türlaibungen messen können,
- kleine offene Stoßfugen oder Lüftungsschlitze unten an der Fassade,
- Bauunterlagen, in denen von „zweischaligem Mauerwerk“ oder „Verblendmauerwerk“ die Rede ist.
Sicher ist es erst nach einem Blick hinein. Wir bohren dazu ein kleines Loch in eine Fuge und schauen mit einer Kamera in den Hohlraum.
Kerndämmung: Vorteile und Grenzen
- Fassade bleibt erhalten: Von außen ändert sich nichts, bis auf verschlossene Bohrlöcher in den Fugen.
- Schnell: Bei einem Einfamilienhaus häufig in ein bis zwei Tagen erledigt, meist ohne Gerüst.
- Begrenzte Dämmstärke: Gedämmt werden kann nur so viel, wie die Luftschicht breit ist.
- Voraussetzungen: Die Luftschicht muss durchgehend und frei sein, die Außenschale dicht.
WDVS: Vorteile und Grenzen
- Dämmstärke frei wählbar: Hohe Dämmwirkung auch bei einschaligen Wänden.
- Neue Fassade: Putz in Farbe und Struktur nach Wunsch, auf Wunsch mit Klinkerriemchen.
- Mehr Aufwand: Gerüst, Anpassung von Fensterbänken, Dachüberstand und Anschlüssen.
- Optik ändert sich: Bei einer gepflegten Klinkerfassade ist das oft nicht gewünscht.
Direkter Vergleich
| Merkmal | Kerndämmung | WDVS |
|---|---|---|
| Geeignet für | Zweischaliges Mauerwerk mit Luftschicht | Einschalige Wände, Putzfassaden |
| Fassadenoptik | Bleibt erhalten | Wird neu gestaltet |
| Gerüst | Meist nicht nötig | Erforderlich |
| Dauer beim Einfamilienhaus | Häufig ein bis zwei Tage | Mehrere Wochen |
| Dämmstärke | Begrenzt durch die Luftschicht | Frei wählbar |
| Kosten | In der Regel deutlich geringer | Höher, dafür neue Fassade |
Unsere Faustregel
Ist eine Luftschicht da und die Klinkerfassade in gutem Zustand, beginnen wir fast immer mit der Kerndämmung. Ist die Fassade ohnehin am Ende oder gibt es keine Luftschicht, ist ein WDVS die sinnvollere Investition. In beiden Fällen gilt: Erst die Außenschale prüfen und bei Bedarf reparieren, dann dämmen.
Mehr zu den einzelnen Verfahren: Kerndämmung und Wärmedämm-Verbundsystem.
